🇹🇳 “The German Mega Brassband” auf Mission im Reich der Mitte

Texte von Axel H. Kunert
Calw-Stammheim/Althengstett. Es soll das ganz große Abenteuer werden. Und ein absolut einmaliges Erlebnis: Ende des Monats reisen mehr als 60 Musiker der Musikvereine Stammheim und Althengstett als “German Mega Brassband” nach China – in offizieller Mission: Sie sind als Botschafter Deutschlands und der Region zur Gartenbau-EXPO in Peking eingeladen. Möglich gemacht hat die ungewöhnliche Konzertreise der Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel (CDU), der als Parlamentarischer StaatssekretĂ€r im Bundesministerium fĂŒr ErnĂ€hrung und Landwirtschaft als Generalkommissar der deutschen Delegation auf der Gartenbau-Expo fungiert.

Musikverein Stammheim und Althengstett als German Mega Brassband

Die “German Mega Brassband” ist gewappnet fĂŒr den Auslandsbesuch in China. Foto: Kunert Foto: SchwarzwĂ€lder Bote



Als der Wunsch der chinesischen Organisatoren nach einem deutschen Kulturtag laut wurde, horchte Fuchtel in seiner Funktion als Vorsitzender des Blasmusik Kreisverbandes Calw bei seinem Mitgliedsvereinen nach. Um sich nicht am Ende “nur” fĂŒr eine Kapelle entscheiden zu mĂŒssen, erhielten die Musiker aus Stammheim und Althengstett gemeinsam den Zuschlag – auch, um vor Ort in Fernost natĂŒrlich noch mehr Eindruck zu hinterlassen.
“Die Chinesen lieben deutsche Blasmusik”, erzĂ€hlt Fuchtel, der natĂŒrlich auch selbst die Musiker aus dem Nordschwarzwald bei ihrer wahrscheinlich ziemlich aufregenden Reise – zumindest zeitweise – begleiten wird. Fuchtel wird den Trip selbstverstĂ€ndlich auch fĂŒr politische GesprĂ€che mit Peking nutzen. Die mit ordentlich Marschmusik und Polka in der Begleitung manchmal deutlich “entspannter” ablaufen wĂŒrden als wenn man nur “bei nĂŒchternen Sachthemen” bleiben mĂŒsste. “Politik – auch international – wird von Menschen gemacht.” Und da spielen solche besonderen Momente der VölkerverstĂ€ndigung “eine immens große Rolle”, sagt der Politiker.
Weshalb “der Fuchtel”, wie die Musiker aus Stammheim und Althengstett ihren Kreis-Boss mit einer Mischung aus Zuneigung und Respekt nennen, beim gemeinsamen Foto-Termin vor der Festhalle in Althengstett den Instrumentalisten die Bedeutung und “offizielle Funktion” der geplanten Auftritte in China noch einmal ausdrĂŒcklich klarmacht: “Es ist mir wichtig, dass ihr euch wirklich als Botschafter Deutschlands versteht.” Was einige gut gemeinte, aber auch wichtige Verhaltensregeln einschließt.

Vereine sind sich der Verantwortung bewusst

Was aber fĂŒr die Musiker selbstverstĂ€ndlich ist, wie spĂ€ter Hartmut Kuonath als einer dieser Musiker des MV Stammheims auf Nachfrage berichten wird: “Ich mache mir da keine Sorgen, wir sind uns alle dieser großen Verantwortung sehr bewusst.” Und die Disziplin stimme. Schließlich bereitet man sich schon seit einigen Monaten auf diese Reise vor. Und beide Musikvereine brĂ€chten ja auch bereits reichlich Auslands-Erfahrung mit: die Stammheimer waren 2015 in Paraguay, 2011 in Hongkong, davor zwei Mal in Mauretanien; die Althengstetter 2008 in Brasilien, aber auch in den USA und diversen europĂ€ischen LĂ€ndern.
Nun also China – und das gemeinsam. Schon bei der allerersten gemeinsamen Probe habe alles richtig gut geklappt, berichtet Stefanie Hammann, seit Februar Vorsitzende des MV Stammheim – “und das sowohl musikalisch als auch menschlich.” Das merkt man auch beim Foto-Shooting: Die Reihen mischen sich wie selbstverstĂ€ndlich. Unterscheiden kann man die Mitglieder der beiden Musikvereine dann nur noch an den dunkleren Trachten-Jacken der Althengstetter. Im Werbe-Flyer fĂŒr China, mit dem dort die Auftritte der Musiker aus dem Nordschwarzwald beworben wird, wird dieses einmalige Gesamtorchester “The German Mega Brassband” angepriesen. Auch eine Idee “vom Fuchtel”, wie Hammann berichtet.
Am 23. August startet die Reise – die im Übrigen von den Verantwortlichen der beiden Vereine “absolut perfekt” vorbereitet worden sei, wie etwa Elke Fetzer (MV Stammheim) erzĂ€hlt. “Die Organisations-Teams haben da einen super Job geleistet”. Denn “so ganz ohne” war die Feinplanung fĂŒr die Reise der mehr als 60 Musiker nicht: Visa, FlĂŒge, “der sichere Transport der Instrumente” und eine geplante Bahnreise unter anderen zur großen Chinesischen Mauer wurden trotz der offiziellen Einladung mit sehr viel Eigenleistung und großem Engagement realisiert.
Neben den Auftritten auf der Gartenbau-EXPO – und dem touristischen Programm – ist im zweiten Teil der Reise auch ein Besuch in Baden-WĂŒrttembergs Partner-Region, der Provinz Jiangsu, vorgesehen. Auf Einladung des dortigen Gouverneurs wird man in die Provinz-Hauptstadt Nanjing im Osten Chinas reisen – einer Metropole mit fast sechs Millionen Einwohnern am Beginn des Jangtsekiang-Deltas. Auch der Landkreis Calw steht durch eine Berufsschul-Kooperation mit der Region in einem regelmĂ€ĂŸigen Austausch.

Austausch zwischen den KĂŒnstlern und der “German Mega Brassband” geplant

Auch in der Partner-Region sind eine Reihe von Konzerten vor großem Publikum geplant. Außerdem soll es zu einem “Austausch von kĂŒnstlerischem Know-How” mit chinesischen Musikern kommen. Gerade diese Begegnungen seien es, die diese Reise besonders wertvoll machten – findet zumindest Jörg Nonnenmann, SchriftfĂŒhrer beim MV Althengstett. “Ich freue mich auf die Großstadt, das Leben und Wohnen dort einmal kennenzulernen.” Und damit auch die Daheimgebliebenen so ein bisschen bei der Reise dabei sein können, werde er “mindestens jeden zweiten Tag” von unterwegs ĂŒber die sozialen Netzwerke seines Vereins von den Erlebnissen berichten. “Denn wenn man jetzt so erzĂ€hlt, was man da vorhat, glaubt das einem erst einmal keiner.”

Hier geht es zum Original-Artikel auf auf schwarzwaelder-bote.de